// viel spass beim lesen!

Events

4. Philosophy-Slam in Augsburg

slam_2010Augsburg, 9.5.2010, 17:30. Als wir beim neuen Textilmuseum in Augsburg eintreffen, sind die Vorbereitungen für den nun schon zum vierten Mal ausgetragenen Philosophy Slam in vollem Gange. Herzlich werden wir von den Veranstaltern und Organisatoren Gerhard Hofweber, Izabela Zerebjatjew und Severin Lux in Empfang genommen und mit letzten Instruktionen für den Ablauf der Veranstaltung versorgt.

Wir staunen über die ansprechende Architektur der hohen Haupthalle mit moderner Glasfront, in deren Mitte wir in Kürze auf der Bühne stehen werden, um mit unseren Vorträgen für Begeisterung zu werben. Zuerst wird aber vornehm gespeist, und zwar beim Thailänder, der sich gleich im Eingangsbereich des Museums befindet. Anschließend gehen Werner Hanselitsch und ich unsere Beiträge ein letztes Mal durch; übermäßig nervös sind wir aber nicht, was wohl auch dem positiven Rückhalt durch unsere Begleiterinnen Victoria Vill und Simone Wörer geschuldet sein dürfte.

Die Jury ist in bester Laune.

Die Jury ist in bester Laune.

Gegen 19:15 spielt sich das Jazz-Trio langsam warm und die Veranstaltung beginnt. Initiator Gerhard Hofweber begrüßt die Gäste, dankt den Sponsoren und betont das “Ringen um Wahrheit” ohne den Blick auf einen unmittelbaren Nutzen als zentrales Anliegen der Philosophie, die im Rahmen des Slams anschaulich werden soll, und zwar weil man engagierten Personen beim Denken zusehen könne. Moderatorin Izabela Zerebjatjew stellt dann die Fachjury vor, in der neben dem Philosophen Hofweber, die Theologin Birte Platow und der Philosophieprofessor und Weinhändler Helmut Pape Platz nehmen. Die Regeln werden noch einmal erklärt: Jeder Teilnehmer hat 10 Minuten für seinen Vortrag. Nach Ablaufen dieser Zeit ertönt ein akustisches Signal der Band. Damit werden 2 weitere Minuten Gnadenfrist eingeleitet; wenn auch die verstrichen sind, wird der Vortragende endgültig von der Musik übertönt.

Der erste “Slammer”, Museumsdirektor Karl Murr, punktet beim Publikum - trotz sichtlicher Nervosität - mit bayrischem Humor verpackt in einem philosophischen Mini-Kabarett-Programm á la “Quatsch-Comdey-Club”, in welchem er sich den alltäglichen Paradoxien des Phänomens “Zeit” widmet. Als zweiter betritt Werner Hanselitsch die Bühne und meistert souverän seinen Vortrag. Aus seinem kürzlich erschienen Buch “Seele, Tod und Jenseits” wird ein “Best Of” dargeboten: Die Problematik einer Todesdefinition, kulturhistorisch unterschiedliche Umgangsformen mit dem Tod zwischen biologischer Reduktion und sozialer Integration, und zum Ende philosophisch-anthropologische Grundfragen, die sich mit dem Bewusstsein des Todes im Spannungsfeld von Endlichkeit und Freiheit auftun. Für diesen kompakten Streifzug wird Rationalpark Mitbegründer Hanselitsch mit sehr positivem Feedback belohnt. Dritter im Bunde ist Student Florian Hieber mit einer Biergartenparabel zum Thema Liebe, die trotz einiger lauer Gags, weder bei der Jury noch beim Publikum allzu großen Anklang findet.

Ein

Ein “Best Of” über den Tod…

Angesichts des Regenschauers, der während dieser Performance ausgebrochen ist, fragt sich Gerhard Hofweber in seinem Statement, ob vielleicht auch die Gedanken des Slammers hinweg gespült worden sein könnten. Als vierter plädiert der Landwirt und einzige Nicht-Akademiker der Runde, Bernhard Sailer, für die Liebe im Unterschied zum Trieb, indem er inspiriert von paulinischen Briefen und gespickt mit lyrischen Exkursen, feststellt, dass nur erstere es sei, die uns zum Guten führe. Für seinen persönlichen und authentischen Vortrag erntet er Anerkennung vom Publikum, sowie von der Jury; wenngleich Theologin Platow neben ausführlichem Lob auch kritisch einwendet, dass Sailer in seinen Ausführungen vielleicht zu schnell zum Himmel empor steigen wollte, ohne sich erst mit irdischen Fragen und Problemen der Liebe auseinanderzusetzen. Der letzte Slammer des Abends sollte ich sein, mit einem Vortrag zum Thema “Postsexualität und neues Menschenbild”, in welchem ich versuche mit möglichst zynisch zugespitzter Wortwahl das Verschwinden von Sexualität und Geschlecht im Zeitalter neuer feministischer Ideologien und moderner Biotechnologie zu erläutern. Auf der Bühne fühle ich mich recht sicher und es gelingt mir, die kritischen und ironischen Stellen meines Vortrags so zu betonen, dass sie entsprechend beim Publikum ankommen, und auch gelacht wird, wo gelacht werden sollte. Ich bekomme viel Applaus sowie eine sehr zustimmende und positive Beurteilung durch die Jury.

Der Gewinner des Abends!

Der Gewinner des Abends!

Der Slam neigt sich dem Ende zu und die drei Juroren beraten über ihre Favoriten. Gerhard Hofweber stimmt für Werner Hanselitschs Vortrag, der ihm sehr gut gefallen hat. Zudem erwähnt er schmunzelnd Hanselitschs “Drohung” vom letzten Slam, derzufolge der Innsbrucker sooft teilnehmen wolle, bis er gewinnt. Birte Platow und Helmut Pape stimmen für mich und damit gewinne ich den Preis der Fachjury. Als ich auch noch den durch Dezibel-Messung beim Applaudieren festgestellten Publikumspreis erhalte, freue mich wahnsinnig. Das schönste Kompliment des Abends macht mir eine Dame aus dem Publikum, die mir nach der Veranstaltung zuflüstert, dass mein Vortrag so gut gewesen wäre, “weil das Leben genau so ist!”. Da die erfolgreiche Klärung der Wirklichkeit zu den obersten Zielen des Philosophen zählt, fühle ich mich entsprechend geschmeichelt.

Wir lassen den Abend bei mehreren Gläsern Wein, Bier und Apfelschorle ausklingen, diskutieren noch eifrig über alles Mögliche und lauschen schließlich den Überlegungen des Aristotelikers Hofweber, wie man den Philosophy Slam am besten zu einem eigenen “Genos” machen könnte - bis das Taxi kommt und uns zum Hotel zurückbringt. Ich bin Werner sehr dankbar, dass er mich zu einer Teilnahme angespornt hat, denn:

Es hat sich gelohnt!

L I N K S

Diskussion

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag wurde deaktiviert.

Derzeit keine Kommentare.

Denkwürdiges

Wer gut zu führen weiß, ist nicht kriegerisch. Wer gut zu kämpfen weiß, ist nicht zornig. Wer gut die Feinde zu besiegen weiß, kämpft nicht mit ihnen. Wer gut die Menschen zu gebrauchen weiß, der hält sich unten. Das ist das Leben, das nicht streitet. Das ist die Kraft, die Menschen zu gebrauchen. Das ist der Pol, der bis zum Himmel reicht.
Lao Tse
Tao Te King