Am Donnerstag, dem 10. Dezember, luden die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und der LIT-Verlag zu einer Buchpräsentation in das Amerikahaus in Wien. Vorgestellt wurde nicht irgendein Buch, sondern der von den rationalpark-Mitgliedern Dr. Friedrich Pöhl und Dr. Bernhard Tilg herausgegebene Sammelband zu Franz Boas, dem Begründer der Cultural Anthropology in den USA.
Meg White, stellvertretende Botschaftsrätin für öffentliche Angelegenheiten, eröffnete die Veranstaltung mit einer Ansprache, und Richard Kisling, Lektor des LIT-Verlages in Wien, übernahm die Moderation der Kurzreferate und der anschließenden Diskussion. Nachdem die Herausgeber die Entstehungsgeschichte des Buches geschildert hatten, sprachen Prof. Dr. Ingo Schneider (Institut für Geschichte und Ethnologie, Univ. Innsbruck) und Prof. Dr. Roland Girtler (Institut für Soziologie, Univ. Wien) über das Leben und die Rolle Franz Boas’ in der Ethnologie.
R. Kisling, Prof. Girtler, Prof. Schneider
Im Namen des rationalparks möchten wir uns herzlich bei der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und dem LIT-Verlag dafür bedanken, dass sie es ermöglicht haben, diese Publikation einem interessierten Publikum näherzubringen.
Hier die Details zum Buch:
FRANZ BOAS - KULTUR, SPRACHE, RASSE
Wege einer antirassistischen Anthropologie
F. Pöhl, B. Tilg (Hg.)
LIT Verlag, 2009
Broschiert, 152 Seiten, ISBN 978-3-643-50003-8, EUR 19,90 (unverbindl. Preisempfehlung)
“Franz Boas (1858 -1942), eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der “Wissenschaft vom Menschen” im frühen 20. Jahrhundert, begründete die Cultural Anthropology in Amerika und etablierte mithin die Anthropologie in den USA als eine akademische Disziplin. Geboren und aufgewachsen in einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Minden, Westfalen, studierte Boas in Heidelberg, Kiel und Bonn Physik, Mathematik und Geographie. 1883/84 begab er sich auf eine geographische Arktisexpedition nach Baffin-Land, welche sein genuines Interesse an Ethnologie und Anthropologie erneut entfachte. Boas emigrierte schließlich in die USA und bekleidete von 1899 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1936 als ordentlicher Professor einen Lehrstuhl für Anthropologie an der Columbia Universität von New York.
Prof. Girtler referiert zum Leben F. Boas’
Die liberal-demokratischen und pazifistischen Ideale seines Elternhauses werden Boas sein Leben lang begleiten und ihn dazu veranlassen, gegen jegliche damalige Rassendiskriminierung wissenschaftlich aufzubegehren. Auch als gesellschaftlich und politisch engagierter Wissenschafter führte er einen oftmals einsamen Kampf für die Rechte der Indianer, der Afroamerikaner und nicht zuletzt für die Rechte der europäischen Immigranten. Beeinflusst von den Ideen Humboldts und der Aufklärung im Allgemeinen, entwickelte Boas seine wissenschaftlichen und philosophischen Perspektiven und Methoden. Als einer der ersten sprach Boas von Kultur(en) im Plural und verabschiedete sich somit von einem essentialistischen Kulturkonzept.
Vor allem aber antizipierte Boas die Affinität von (wissenschaftlichem) Rassismus und Evolutionismus, weshalb er die Vorstellung einer universalistischen und linearen kulturellen Evolution zurückwies; insbesondere, wenn das evolutionäre Fortschrittsparadigma auf der allgemeinen und wissenschaftlich nicht fassbaren Idee der Rasse basierte und damit Individualität verneinte. Noch im hohen Alter verwehrte sich Boas gegen den wissenschaftlichen Rassismus und den damit einhergehenden Rassenwahn der Nationalsozialisten in Deutschland und schämte sich dafür, ein “Deutscher” zu sein.”
L I N K S
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