22.11.2009, 18.00 Uhr, Ratskeller in Augsburg. Ich hatte Hunger. Nur gut, dass die Veranstalter des inzwischen 3. Philosophy-Slams in Augsburg einen Austragungsort gewählt hatten, wo man auch sehr gut Essen konnte. Das haben Victoria Fill und meine Wenigkeit dann auch getan – gut gegessen. Außerdem war da ja noch ein wenig Zeit, denn der Event sollte erst um 19.00 beginnen. Während wir uns also kulinarisch einstimmten, konnten wir die Aufbauarbeiten der Techniker und der Band begutachten. Die Spannung stieg…
Bevor ich nun zur eigentlichen Veranstaltung komme, ist es vielleicht angebracht zu erklären, wie der Philosophy-Slam in Augsburg abläuft. Philosophiebegeisterte brüten zu einem selbst gewählten Thema einen Vortrag (10 min. Redezeit) aus und tragen ihn an einem bestimmten Termin dem Publikum vor. Dabei gibt es insgesamt zwei Preise zu gewinnen: die fachliche Qualität wird von einer Jury, bestehend aus Fachfrauen und Fachmännern, bewertet und über die Performance entscheidet das Publikum.
Philosophy-Slam, publik gemacht
Die glücklichen Gewinner dürfen jeweils einen Pokal in Form eines kleinen (Jurypreis) und eines großen (Publikumspreis) Schierlingsbechers mit nach Hause nehmen. Diesmal bestand die Jury aus Dr. Gerhard Hofweber, seines Zeichens Gründer des Dr. Hofweber Instituts für Philosophie und Wirtschaft, Dr. Birte Platow, Philosophin und Theologin und Prof. Manfred Negele, ebenfalls Philosoph und Theologe.
Durch den Abend führte eine Moderatorin, die nach den einleitenden Worten des „Erfinders“ Dr. Gerhard Hofweber, die jeweiligen Teilnehmer ankündigte und nach gehaltenem Vortrag den Teilnehmern bei den Bewertungen der Jury beistand. Diese Bewertungssituation, welche man eigentlich aus gängigen Casting-Shows wie DSDS kennt, auf einen philosophischen Redewettbewerb zu übertragen, ist eine ziemlich originelle Idee und hat sich bei den ersten beiden Slams in Augsburg schon bewährt. Als Erster betrat Paul Gieseler, Exilberliner und Philosophiestudent, die Bühne. Mit seiner Mischung aus „Mann, hab’ ich gestern gesoffen“ und Zivilisationskritik konnte er das Publikum begeistern und sich als nietzscheanischer Hofnarr in Szene setzen.
Dr. Gerhard Hofweber (li.) und die Jury
Den zweiten Vortrag hielt Dr. Alexander Seibold zum Thema „Philosophische Praxis?!“ und erwärmte dabei mit seinem Eintopf aus sokratischer Maieutik und K. Poppers Philosophie eher die Herzen der Theologen. Als dritter bemühte sich Tassilo Volker Koller um einen neuen Lösungsansatz für das Leib-Seele-Problem. Der Vortrag selbst war fachlich umstritten, was Koller aber durch seine Leidenschaft für sein eigenes Thema mühelos ausgleichen konnte. Nach der Pause und sozusagen als Vierter durfte meine Wenigkeit die Bühne betreten. Ich startete mit dem Satz: „Griaß Enk, I bin da Werner…“ und legte meine Sicht in Bezug auf das Zustandekommen von Schönheit in der abendländischen Philosophie dar. Ich machte mich für das Gegenüber als Person, Ding oder Erinnerung bei der Empfindung von Schönheit stark, sowie für die Dynamik von Zusprechen und Entsprechen. (Mein Vortrag findet sich am Ende des Beitrags.) Gut gelaunt, weil ich den Vortrag recht passabel hinter mich gebracht hatte und weil das Publikum mir sehr freundlich gesinnt war, vergaß ich fast den letzten Vortrag und muss gestehen, dass ich davon nicht alles mitbekommen habe. Lane Ziegler präsentierte sich als Diogenes von Sinope mit Laterne und heizte dem Publikum mit ihrer theatralischen Zivilisationskritik richtig ein.
Dr. W in Aktion
Nun war es also Zeit die Gewinner zu küren. Die Jury entschied sich für Lane Ziegler, deren Vortrag, meiner Meinung nach, fachlich gesehen nicht der Beste war. Die Jury sollte ursprünglich die fachliche Qualität des Vortrags bewerten, hat aber durch ihre Entscheidung die Hauptthese meines Vortrags bewiesen: Manchmal spricht uns etwas einfach an und wir entsprechen. Das hat Lane Ziegler zweifellos getan; sie hat durch ihre Person und die Art ihres Vortrages die Jury und auch das Publikum angesprochen, was aber auf fachlicher Ebene eigentlich nicht relevant sein sollte, denn dafür gibt es ja denn Publikumspreis. Dieser kleine Makel ist jedoch kein Grund diesen äußerst gelungenen Abend zu trüben, sondern vielmehr ein Ansporn dafür, das nächste Mal noch mehr Energie in die Vorbereitung zu stecken. Den Publikumspreis erhielt ebenfalls Lane Ziegler, was wiederum völlig gerechtfertig war, da Ihre Performance einfach die beste war, auch wenn ich, wie gesagt, meinerseits nicht alles davon gesehen habe. Abschließend konnte ich noch ein äußerst spannendes Gespräch über die Verbindung von Shintoismus und Zen-Buddhismus führen und nach einigen weiteren guten Unterhaltungen endete der Abend mit der Gewissheit, das nächste Mal wieder dabei zu sein.
Fazit: Diese Veranstaltungen sollte man sich als Philosoph/In oder Philosophiebegeisterte(r) auf keinen Fall entgehen lassen. Man kann sich vor Publikum präsentieren, man trifft Gleichgesinnte und eine Menge netter interessierter Leute und außerdem machte es viel Spaß sich mit anderen auf einer freundschaftlichen Ebene zu messen. Ich werde daher im Mai (nächster Slam voraussichtlich am 09. Mai 2010) wieder nach Augsburg pilgern und hoffe, dass ich einige Mitglieder des rationalparks auch dazu motivieren kann.
L I N K S
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