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Nicht nur der Postmann klingelt zweimal

postmannNicht nur von napoleonischem Eifer getriebene Finanzspekulanten, nach wie vor existente Studiengebühren, von der Tourismuswirtschaft hochgezüchtete Preise, Finanzkrisen in den USA und Sicherheitsvorkehrungen ”im Kampf gegen den Terror” ziehen dem kleinen Mann/der kleinen Frau im Herz der Alpenrepublik das Geld aus der Tasche. Bezahlen ist immer eine Tätigkeit, die zwar widerwillig, jedoch als Tausch für einen wie auch immer gearteten Nutzen akzeptiert wird. Umso grösser ist der Widerstand, wenn für staatlich produzierte Unterhaltung ohne Hoffnung auf Programmbesserung die Hand aufgehalten wird: “Hallo. Ich bin’s, dein Fernseher.”

Die GIS, ausgelagertes Unternehmen des Finanzministeriums mit der Aufgabe Rundfunkgebühren beim medial ohnehin geräderten Volk einzutreiben, ist wieder medial präsent. Viele Sagen ranken sich um diese Truppe, Szenen von Türen eintretenden Exekutivbeamten werden im Geiste wachgerufen. Nein, nein, wird versichert, das stimme nicht. Ein seriöses, dennoch bestimmtes Auftreten seitens der Mitarbeiter des wohl einzigen Unternehmens, welches Anmeldeformulare mit allen in der Taufurkunde vermerkten Vornamen versendet, ist Vorschrift. Dass diese Namen nicht einmal nahe Verwandte kennen geschweige denn verwendet werden, darf nicht verwundern - an derartige “zwischenbehördliche Zusammenarbeit” sind wir in Österreich schließlich seit Metternich gewöhnt. Man verstehe überhaupt nicht, woher jene Schauergeschichten stammen. Na, aus dem Fernsehen, woher denn sonst. Somit ist man nicht nur angehalten, für die Therapierung medial bedingter Paranoia zu zahlen, sondern bereits für deren ungewollte affektuelle Aneignung.

Sparen als Notwendigkeit zur Sanierung eines Budgets oder zur Reformierung des Pensionssystems bedarf keiner gesonderten Vermarktung. Das Wissen, dass es derart nicht mehr weitergehen kann ist allerorts vorhanden, wenngleich der Blick auf das Girokonto zu Monatsbeginn - oder zum 15. für die Arbeiterschaft und stipendienbeziehende Lumpenintellektuelle - bereits Tränen in die Augen treibt. Da hilft auch keine staatlich geförderte Zusatzpension mehr, wenn bei steigender Altersgrenze das durch Herzinfarkt bedingte Übersetzen in die Unterwelt schneller stattfindet als der Auszahlungstermin des jahrzehntelang Angesparten. Die Rundfunkgebühren bedürfen da schon besserer Argumentation. Diese einzuzahlen und ein Gefühl der Absolution ökonomisch-kulturell bedingter Schuld hervorzurufen, wie es manchereiner bei Spenden an hungernde Kinder oder Nachbarn in Not fertigbringt, ist hier von vornherein zum Scheitern verurteilt. Im Gegensatz zu dieser Art Zahlung, bei der man sein hart Erarbeitetes überweist damit der/die andere zwar weniger oder nicht mehr, aber dennoch dort weiterhungert  wo er/sie ist - Hauptsache nicht hier - so ist dieses Verhältnis zur GIS wohl als ein teilweise dialektisches zu bezeichnen. Man bezahlt zwar auch, damit niemand zuhause vorbeikommt, hätte aber nach Aussagen von wutentbrannten Befragten, welche zu unüblichen Zeiten nichtsahnend die Türe öffneten und so in die Riege der Unterstützer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks “aufgenommen” wurden, gegen einen Hungertod GIS-Bediensteter, welche sich derart verschlagener Taktiken bedienen, “wenig bis nichts einzuwenden”. Des Weiteren kann es sich wohl bestenfalls um einen, wenn schon nicht Euphemismus, so zumindest “Übersetzungsfehler” handeln, da das “i” in GIS gemäß verfolgter Praxis wohl eher für “Inkasso” denn “Information” stehen muss.

Angesichts dieser Form heimtückischer, medialer Wegelagerei mit Bildungsauftrag ist die bis dato wohl am meisten anzutreffende Vorgangsweise jene des “mimikry mortui” - sich schlicht totzustellen - angesichts des übermächtigen Gegners und aussichtloser Fluchtmöglichkeiten ein durchaus nachvollziehbares Verhalten. Langfristig gesehen wird man sich wohl eine andere Lösung einfallen lassen müssen, denn letztlich ist der Ärger nach Öffnen der Tür selbstverschuldet, nennt die GIS doch durchaus Kriterien, woran man ihre Mitarbeiter erkennt. Die GIS als “hundertprozentiges Tochterunternehmen des ORF” reiht sich somit ein in die missionarische Tradition religiöser Gruppierungen, welche ebenfalls pflegen an Türschwellen zu verweilen und gerne dazu bereit sind, das “viele Wissen” nicht für sich zu behalten - zum Preis einer Mitgliedschaft versteht sich. Schön, dass nicht nur wir, sondern auch die Leute von der GIS Humor zu besitzen scheinen. So wird es wohl weiterhin heißen: “Hallo. Ich bin’s. Aber es ist niemand zuhause.”

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