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Nieder mit dem “Pan-Politizismus”!

political_correctnessHin und wieder schafft es die Philosophie trotz, oder vielleicht gerade wegen ihres Randdaseins ins Fernsehen. Ohne die allzu naheliegende Überheblichkeit des “Mannes vom Fach”, des studierten Philosophen, zu bemühen, möchte ich ausdrücklich festhalten, dass ich die meisten Diskussionssendungen mit Interesse verfolge; und dieses besteht keineswegs nur darin, Fehler, fachliche Ungenauigkeiten oder Unzulänglichkeiten in der Diskussionskultur zu bekritteln, um mich dabei besser(wissender) zu fühlen. Mein Hauptaugenmerk gilt eigentlich mehr der Themenauswahl, an der sich – mit Einschränkungen – immer ein Stück Zeitgeist, oder weniger aufgeblasen: relevante gesellschaftliche Fragen und Trends ablesen lassen.

Will man nicht als enzyklopädische Informationen anhäufender Philosophiehistoriker enden, ist man auch als Philosoph zu einer gewissen Aktualitätsverantwortung berufen, die in der Reflexion der gegenwärtigen Lebenswelt besteht. Diese scheint momentan zur Gänze und noch darüber hinaus politisch definiert zu werden. Es ist doch erstaunlich, dass ein doch selten ausgestrahltes philosophisches Quartett (ZDF) unter der Leitung des Philosophen Peter Sloterdijk sich nahezu ausschließlich mit Politik beschäftigt. Sei es die politische Dimension der 68er Bewegung oder wie kürzlich der moderne Imperialismus amerikanischer Prägung (Special Guest: Joschka Fischer) – das Politische beherrscht den Themenkatalog. Auch das von mir lang geschätzte Nachtstudio (ebenso im ZDF) wandelt sich zusehends zu einem Politmagazin, von denen es doch ohnehin schon viel zu viele gibt. Ohne Statistiken bereitstellen zu können, sagt mir mein subjektiver Eindruck, dass das Fernsehen und die Medien generell auf eine Monokultur des Politisierens zusteuern. Die Philosophie erweist sich in diesem Zusammenhang häufig als “ancilla politicae” und unterstützt diese Entwicklung an vorderster Front.

Wäre das “nur” langweilig, und das ist es in hohem Maße, könnten mir meine verehrten Leser zu Recht entgegenhalten, ich solle den Flimmerkasten doch ausschalten und nicht lamentieren. Mir geht es aber um mehr als die persönliche Lustmaximierung beim Massenmedienkonsum. Ich mache mir ernstlich Sorgen darüber, ob nun wirklich ALLES letztendlich und für immer politisch ist und ergo einem politizistischen (”politikgeilen”) Diskurs unterworfen werden muss. Selbstverständlich kann man feststellen, dass auch Liebe politisch ist, gerade wenn man über mögliche behördliche Modelle des Zusammenlebens nachdenkt. Natürlich kann man darauf bestehen, dass die Sexualität ebenso ein Politikum ist, vor allem in Anbetracht demographischer Horrorszenarien! Wo wir gerade dabei sind: Nichts ist politischer als die Natur. Sie hat es nur noch nicht gewusst, bis sie politisch umgetauft wurde in “Klimawandel”. Und freilich, man kann sagen, wenn ich meine Exkremente im Abort versenke, betrete ich damit den Raum der Kommunaldienste meiner Gemeinde, deren Gebührenerhöhung oder eigentlich Nicht-Erhöhung wegen der Teuerung gerade politisch diskutiert wird.

Stattdessen möchte ich als Politologe, der ich auch bin, darauf hinweisen, dass es unter Umständen negative Konsequenzen hat, wenn man alle Bewegungen, alle kleinsten (Er)Regungen innerhalb seiner Lebenswelt, seien es eigene oder fremde, schon begrifflich in ein politisches Bezugssystem einpasst. Leben ist nicht politisch, es wird nur ständig von einem Tumult des Politisierens erfasst. Dieses wahnhafte Festhalten an der Politik und der fast uneingeschränkte Glaube an politisch Machbares ist pathologisch und macht sämtlichen Reduktionismen inklusive dem wissenschaftlichen Disziplinarismus allemal Konkurrenz.

Ich höre sie schon aufschreien, die Priester der politischen Verantwortung: Es ist wichtig, richtig, notwendig, unumgänglich – wir müssen politisch denken und politisch handeln, sonst werden wir von autoritären, totalitären und von weiß Gott was für Monstrositäten überrollt. Wir brauchen Kontrolle, Steuerung und Maßnahmen!

Ich bin dessen überdrüssig, Nieder mit diesem widerwärtigen Pan-Politizismus!

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