Prof.em. Richard Herr und Dr. Friedrich Pöhl
Im April und Mai 2006 hatten Dr. Friedrich Pöhl und Dr. Bernhard Tilg die Möglichkeit ein Forschungsstipendium der American Philosophical Society in Philadelphia, Pennsylvania, wahrzunehmen. Die American Philosophical Society – kurz APS – wurde 1743 von Benjamin Franklin mit dem Vorsatz “For Promoting Useful Knowledge” gegründet und zählt heute an die Tausend Mitglieder.
Zu den Mitgliedern der APS zählten unter anderem G. Washington, Th. Jefferson, Ch. Darwin, A. v. Humboldt, L. Pasteur, A. Einstein, F. Boas und viele andere. Situiert im historischen Gründungskern der Vereinigten Staaten von Amerika, besitzt die APS die umfassendste “Native American” Manuskript Sammlung der Welt, die Orginalmanuskripte von Charles Darwin oder auch jene von Franz Boas, eines in Deutschland zum Physiker und Geographen ausgebildeten Wissenschaftlers aus Minden, der früh seine Heimat verließ um in Amerika der Begründer der modernen amerikanischen Anthropologie zu werden. Im Jahre 1936 wird sein Porträt das Cover von “Times Magazine” zieren.
Dr. Bernhard Tilg und Prof. Jonathan Sternberg
“The Role of Franz Boas in Modern Thought” war nun auch das forschungsleitende Interesse von Dr. Pöhl und Dr. Tilg. Anhand der akribischen Durchsicht vieler bisher noch unveröffentlichter Briefe, Tagebücher und Feldforschungsnotizen wurde nochmals die einsame Vorreiterrolle, die Franz Boas gegen den damals vorherrschenden wissenschaftlichen und insbesondere in Deutschland “völkischen” Rassismus einnahm, vor Augen geführt. Neue Erkenntnisse konnten hinsichtlich der von Boas persönlich erfahrenen Problematik kulturellen Fremdverstehens sowie hinsichtlich seines politischen Engagements sowohl für indigene und afro-amerikanische Kulturen als auch für europäische Immigranten gewinnen. Da Boas mit allen wissenschaftlichen Größen seiner Zeit in Kontakt stand, war es für uns ein Erlebnis beispielsweise Briefe Einsteins zu lesen. Bisweilen konnte man sich natürlich eines Schmunzelns nicht erwehren – so, wenn Claude Lévi-Strauss in einem Brief an Boas ausführlich erklärt, dass er keine Frau sei – Boas hielt Lévi-Strauss anfangs wohl fälschlicher Weise für eine französische Anthropologin. Ein erstes Forschungsergebnis des Aufenthaltes wird im September 2007 in der internationalen Zeitschrift Anthropos unter dem Titel “Donnerwetter, wir sprechen Deutsch. Zur Erinnerung: Franz Boas 1858-1942″ erscheinen. Für das Jahr 2008 ist die Herausgabe eines Boas Sammelbandes unter anderem mit Beiträgen von Ludger Müller-Wille, George Lang, Lee D. Baker und anderen in Planung.
Abgesehen von der bemerkenswerten Hilfsbereitschaft der Wissenschaftler/Innen und der wissenschaftlichen Mitarbeiter/Innen der American Philosophical Society, waren wir auch zum “Annual General Meeting” der APS eingeladen, das ganz unter dem Zeichen des 200jährigen Geburtsjubiläums Benjamin Franklins stand. Diverse Vortragsreihen zu Franklin und schließlich die Verleihung der “Benjamin Franklin Medal” an James D. Wolfensohn (Präsident der Weltbank von 1995-2005), an den Molekularbiologen Eric R. Kandel und an den afro-amerikanischen Historiker John Hope Franklin für dessen – so die Worte des Verleihers – “…life-long commitment to civil rights for all Americans, and his life-long determination to combat racism in all of its ugly forms”, bildeten den Höhepunkt dieses dreitägigen Symposions.
L I N K S
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